Mittwoch, 14. Mai 2008

Verkehrsunfall (NICHT ICH)

Ich wurde leider während des Hochladens von Bildern grad Zeuge eines sehr üblen Verkehrsunfalles an der Kreuzung direkt vor dem Hostel. Ein Jeep hat die Vorfahrt nicht beachtet und ist direkt in einen Motorroller mit einem Pärchen gerast. Der Kerl ist in ein daneben stehendes Auto geflogen und das Mädchen ist wie eine Puppe durch die Luft geflogen. Den Motorroller hatten sie EINE MINUTE vorher bei der Mietwagenstation neben dem Hostel ausgeliehen. Es war aber niemand vom Hostel. Eine ziemlich üble Geschichte ist das, denn es ist nicht sicher ob der Mann überlebt. Sein Schädel ist aufgebrochen ... (Gott sei Dank hab ich die Wunde selber nicht gesehen).

Da wir dann erstmal die Straßen ringsrum gesperrt haben bis die Polizei da war (was recht lange dauerte) endete ich in der Mitte der Straße stehend, wie ein Verrückter winkend, um Autos umzuleiten. Wenn man grad gesehen hat wie man ungeschützt bei einem Verkehrsunfall abschneidet, war das schon ein etwas mulmiges Gefühl. Ich hab Jay (dem Hostelbesitzer) dann vorgeschlagen Warnwesten anzuschaffen, was er jetzt auch tun wird. Das ist nötig da es an dieser Kreuzung ständig knallt mit im Durchschnitt 3 schweren Unfällen pro 2 Monaten. Das war bisher aber der schlimmste. Jay ist enorm angepisst, denn er hat in den letzten 3 Jahren schon 5 Petitionen für die Errichtung von Ampeln eingereicht. Was er erreicht hat sind 2 Verkehrsinseln mit Vorfahrtszeichen die man schnell übersieht. Irgendwie erinnert mich das enorm an die Kreuzung Königsbrücker/Grenzstraße.

Ihr werdet sicherlich verstehen dass ich davon keine Bilder gemacht habe. Meine moralischen Grundsätze verbieten mir das. Es waren auch so schon genug Schaulustige und Medienvertreter da. Die Abschleppwagen waren übrigens noch vor Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei da. Menschliche Aasgeier nenn ich sowas! (Sorry, Böhler. Ich verstehe dass du auch irgendwie Geld verdienen musst. Ich weiß, dass du das selber ungern machst)

NACHTRAG: Es war bereits in den Medien: der Typ ist in einer stabilen Lage und wird überleben. Bin da echt froh drüber. Macht es im Nachhinein erheblich leichter, da man letztendlich nicht zugesehen hat wie einer das zeitliche segnet.

Image by broken glass

Sonntag, 11. Mai 2008

Desert Patrol Tag 3, der Rest

Nach dem Flug hieß es dann schnell Packen und weiter. Von ein paar Gruppenfotos und viel Outback-Dirtroad abgesehen ist bis Coober Pedy eigentlich nicht viel passiert.










Coober Pedy selbst ist allerdings eine der interessantesten Ortschaften die ich je gesehen habe. Der Name ist eine englische Version des Aboriginee Namens "kupa piti", welcher "Weißer Mann im Loch bedeuten soll. Genau weiß das aber keiner. Warum eigentlich nicht? Der Ursprung dieser Bezeichnung liegt jedenfalls darin dass in dieser Region 1915 zufällig Opale gefunden wurden, die einfach so auf dem Boden rumlagen. Daraus hat sich dann irgendwann die Opalhauptstadt der Welt im größten und ergiebigsten Opalfeld der Welt entwickelt. Grundlegend handelt es sich um eine Mondlandschaft in der sich ziemlich viele Leute eine goldene Nase verdient haben. Da es praktisch ist und die Umgebung grundlegend lebensfeindlich (im Sommer bis zu 45° und Nachts im Winter bis -10°, beides furztrocken) liegt gut ein drittel des Ortes unter der Erde, oder genau genommen im Berg. So finden sich dort zum Beispiel die einzige unterirdische katholische Kirche der Welt und die einzigen unterirdischen Spielautomaten Australiens. Das hat den witzigen Effekt, dass man sich im Stadtzentrum befindet und eigentlich nur Stein, Dreck und Schornsteine sieht (klingt irgendwie nach Chemnitz). Ein weiterer bemerkenswerter Punkt ist, dass Opalabbau eigentlich in einem 20km Umkreis um die Stadt nicht gestattet ist. Hausbau(grab?) ist allerdings erlaubt. In der Folge gibt es dort ziemlich viele "Häuser" mit erstaunlich vielen Zimmern (20 Wohnzimmer sind glaub ich der Rekord). Es ist wohl auch der einzige Ort der Welt wo man beim Ausbau des Hauses mit etwas Glück damit rechnen kann die Finanzierungsquelle gleich mit auszugraben. Am besten finde ich die Story des Hausbauers der in gewisser Weise in seinem Klo eine Opalader im Wert von $150.000 gefunden hat. Kann man das dann überhaupt noch Scheißhaus nennen?

Unsere Unterkunft dort war jedenfalls auch unterirdisch und dunkel! Also wirklich DUNKEL! Wenn da das Licht aus ist, ist es richtig aus. Komplett schwarz. Da passen sich auch die Augen nicht an, da es schlicht kein Restlicht gibt, welches die Augen verstärken können. Viel Spaß wenn du nachts aufs Klo musst und keine Taschenlampe hast ...


Die Bilder dazu kommen morgen, da ich heut erst von meinem Cape Tribulation Trip wiedergekommen bin. Der war übrigens ziemlich witzig. Zum Beispiel hab ich mich als Robinson Crusoe Junior probiert und eine Kokosnuss geknackt. Dazu muss ich mal sagen dass die riesig sind, und die kleine braune Kugel die man im Film und im Supermarkt sieht bei weitem des kleinste Problem darstellt. Dazu aber mehr wenn ich es mal irgendwann geschafft habe den Blog soweit aufzuarbeiten. Gute Nacht bis dahin ...

Desert Patrol Tag3, Rundlfug: The Painted Hills

Dieser Tag startete wieder recht früh: Gegen halb sieben um genau zu sein. Es ist wirklich der Hammer an einem nicht sonderlich kalten Morgen neben einem noch glimmenden Lagerfeuer aufzuwachen und direkt in die aufgehende Sonne zu schauen während um einen herum alles noch friedlich schläft. Die kleinen Freuden des Lebens. Nach einer Katzenwäsche und einem Instantkaffee (sogar der kann unter bestimmten Umständen zum zauberhaften Gebräu mutieren) am Feuer ging es dann zum gleich nebenan gelegenen Flugplatz. Eigentlich ist dort aber alles gleich nebenan. Bei einem Ort mit 6 Einwohnern ist das aber auch nicht weiter verwunderlich.

Unser Fortbewegungsmittel für diesen Morgen sollte sich als einmotorige Cessna herausstellen. Ich bin noch nie in einem Kleinflugzeug geflogen und in einem Winzigflugzeug schon garnicht. Unser Pilot war dann zusätzlich noch jünger als ich. Ermutigend fand ich das alles nicht unbedingt, aber hey: Ein Flug über verbotenes Land lockte. Verbotenes Land? Ja, richtig. Der Rundflug ging zu den Painted Hills etwa 100km nördlich von William Creek. Dieses Gebiet ist heiliges, wie eigentlich die meisten interessanten Naturformationen im roten Zentrum. Was da nicht heilig ist, ist meistens böse und wird gemieden (zum Beispiel Mt Connor, ein Tafelberg südlich von Alice Springs). Von daher sind die Painted Hills komplett gesperrt. Es gibt keine Straßen, keine Wege, nichts. Nur eine ziemlich heftige Strafe wenn man drin erwischt wird ($25.000). Und die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden ist recht hoch, da in der Nähe ein militärisches Testgelände (Woomera Prohibited Area) liegt auf dem in den sechzigern und siebzigern auch Atomwaffen gezündet wurden. Ist das eigentlich ironisch oder zynisch ...? Fliegen ist von daher die einzige Möglichkeit dieses Gebiet zu sehen und da es auch nur einen Fluganbieter gibt, behaupte ich mal ein recht exklusives Erlebnis gehabt zu haben.

Ich möchte keine großen Worte an Erklärungen verschwenden (ausnahmsweise) und werde einfach mal Bilder sprechen lassen:

Wunderschön, oder? (mehr gibts wie immer auf flickr)

Hier mal noch ein Nachtrag mit etwas wissenswertem: Sowohl William Creek, als auch die Painted Hills befinden sich auf dem Gelände der Anna Creek Cattle (Vieh) Station. Diese Cattle Station ist mit einer größeren Landfläche als Belgien die größte der Welt. Es ist allerdings nicht so, dass denen das Land gehören würde. Vielmehr ist das alles Aborigineeland, welches die Viehzüchter pachten um es landwirtschaftlich zu nutzen. Rein theoretisch könnten die Aboriginees einfach das Pachtrecht entziehen und damit die größte Viehfarm der Welt schließen. Das ist allerdings wohl genauso wahrscheinlich wie der Abbau sämtlicher Vorurteile zwischen Aboriginees und Weißen in den nächsten 10 Jahren und ersterer volle Integration. Es wird nicht passieren ...

Freitag, 9. Mai 2008

Desert Patrol Tag 2

Nach dem spätesten Start für diese Tour (gegen neun) ging es wieder raus aus der Parachilna Klamm, die wir diesmal tatsächlich auch gesehen haben. Wenig überraschenderweise bot diese auch wirklich schöne Anblicke jenseits des Scheinwerferkegels vom letzten Abend. Direkt am Ausgang der Klamm hielten wir kurz an einem der berühmtesten Schilder Australiens:


Nach einer kurzen Fahrt gen Norden hielten wir dann im Postkarten-Outbacknest Copley um uns einen Quandong Snack zu genehmigen. Quandong ist die sogenannte Buschpflaume, von der es etwa 300 essbare Arten gibt. Ihr Geschmack ist irgendwas zwischen Pfirsisch und ja, halt Pflaume eben. Ich habe diese Frucht in Form eines Küchleins (Pie) genossen, der damit gefüllt war. Sehr lecker muss man mal sagen. Es gibt übrigens die Behauptung dass es von so gut wie jeder europäischen Speisepflanze eine Buschvariante gibt. Das kann schon sein, aber der Prospektor (in etwa Bergbaugebietserschließer) Lasseter wird dem wohl widersprechen. Nachdem er nämlich im Busch mit seinem Kamel aufgelaufen ist und von Aboriginees aufgenommen wurde, ist er innerhalb von wenigen Monaten gestorben da er die Diät nicht vertragen hat. Diese ganze Sache hat zusätzlich noch viel mit Gold und Gier zu tun, aber das hat mit Pflaumen nicht viel zu tun und wird von daher an dieser Stelle vernachlässigt.

Während wir noch im Ort waren fand ich einen Autofriedhof (10 Schritte vom Café entfernt) und konnte natürlich nicht widerstehen das auf digitales Zelluloid zu bannen. Im Endeffekt musste die gesamte Gruppe auf mich warten, was auch nicht zum letzten mal geschehen sollte. Man muss ihr allerdings lassen, dass sie es mit stoischer Ruhe getragen hat. Vermutlich waren sie auch noch damit beschäftigt ihre Buschpflaumen zu verdauen während ihre Gedanken besorgte Kreise um Tod und kulinarisches Verderben drehten.

Es ging mal wieder nach Norden, wie so oft auf dem Trip. Aber nicht lang, denn nur 10 Minuten später hielten wir an einem Tagebau. Dazu brauch ich aber eigentlich nicht viel sagen, denn die sehen in Australien ausnahmsweise mal nicht groß anders aus als bei uns. Im wesentlichen Löcher, sehr große Maschinen und bemerkenswert gründliche Ausrottung sämtlicher natürlicher Lebensformen jenseits von Alkoholikern in Warnweste und Helm.

Der folgende Stop war dann schon etwas bemerkenswerter. Talc Alf's Place. Versucht euch einfach mal einen Holländer vorzustellen der seit 32 Jahren ohne Strom und fließend Wasser im Nichts auf einem riesengroßen Grundstück (es gibt da keine kleinen Grundstücke) lebt und sich nicht mehr ganz sicher ist ob er nun Holländer, Australier oder wiedergeborenener Aboriginee ist. Wenig überraschend ist er ein ziemlich begabter Künstler, Erfinder (aus Not) und Philosoph. Auf seinem Land findet man absolut alles von Backpackerautos über Kinderschuhe bis hin zu halb verrotteten Kamelhufen. Ein Paradies für Fotografen. Wenn man die Zeit hat, die wir nicht hatten. Hab ich eigentlich schon erwähnt dass ich den größten Teil dieser verfügbaren Zeit damit verbrachte einen HUND zu fotografieren? (Mr Bojangles):









Ein kurzer Besuch bei den Ockerklippen folgte. Diese Klippen sind extrem bedeutsam für die Aboriginees ganz Australiens da Ocker eine der am häufigsten benutzten Farben ihrer Kultur ist. In Konsequenz reiste man aus allen Ecken dorthin um das Zeug zu bekommen. Höhlenzeichnungen um Darwin wurden zum Beispiel damit geschaffen. Wir sprechen hier nebenbei gesagt über eine Distanz von über 3000km! Und das um ein bisschen Farbe zu bekommen ...

In Maree, am Beginn des Oodnadatta Tracks gabs dann Lunch und nochmal tolle Fotomotive bevor wir bis Coober Pedy am folgenden Mittag keinen Asphalt mehr sehen sollten. Nahezu 400km Schotterpiste lagen vor uns und wir waren mal wieder spät dran. Entsprechend rabiat gings zur Sache. Außerdem war Kev auch von Regenwolken am Horizont besorgt, denn Regen kann diese Straßen komplett unpassierbar machen.

Wir passierten irgendwann den Dingofence. Dieser Zaun hält die Dingos im Zentrum und Norden von den Schaffarmen im Süden fern und ist die längste von Menschen erschaffene Konstruktion der bekannten Weltgeschichte. Ursprünglich 9300km zwischen der Ost- und Westküste lang hat man ihn inzwischen auf 5600km eingestaucht, was aber immernoch länger ist als die Chinesische Mauer (nein, man kann beide nicht vom Weltall aus sehen). Kurz darauf ist dann auch tatsächlich ein Dingo direkt neben der Straße entlang getrottet. Als wir anhielten hat er uns neugierig beäugt, was alle toll fanden da jeder feine Bilder machen konnte. Das ist wohl angeblich enorm selten da diese Tiere eher scheu sind. Hier nochmal ein weiteres Klischee, welches nicht stimmt: Dingos wurden nicht von europäischen Siedlern eingeführt und aus Versehen ausgewildert. Dingos gibt es in Australien seit etwa 40.000 Jahren. Ihr Ursprung wird im asiatischen Raum vermutet.

Wir hielten dann auf halber Strecke an einem Salzsee (ohne Wasser). Die Gegend dort ist nämlich der westliche Ausläufer eines gigantischen artesischen Beckens dass sich bis fast an die Ostküste (etwa 2000km) erstreckt. Das Wasser was aus den Quellen in dieser Gegend kommt ist etwa 2 Millionen Jahre alt bevor es den Weg von der Ostküste bis dahin geschafft hat und schmeckt wie gesalzener, abgestandener Fußsohlensud. Da es aber die Softdrinkversion eines Gegenbeweises der biblischen Genesis ist, hab ich trotzdem beschlossen es zu genießen. Gibts das irgendwo auch als Bier? Achso, Quellen und so ... Gleich neben dem Salzsee war dann auch der sogenannte "Bubbler" (eine dieser Quellen) aus dem ich das Elixier der Antikreationisten getrunken habe.

Bis William Creek war das unser letzter Stop. Dieses Kaff aller Käffer erreichten wir weit nach Sonnenuntergang. William Creek hat spektakuläre 6 Einwohner und ist damit der kleinste Ort Australiens. Ein Ort ist es übrigens nicht weil es eine Kirche hat (denn es hat keine), sondern ein Pub. Hier funktioniert alles etwas anderes. Hier wurde ich auch mit der Möglichkeit vertraut gemacht einen Panoramaflug am nächsten Morgen zu machen. Eine Möglichkeit die ich wahrnehmen sollte. Außerdem wurden wir in die Benutzung unserer Swags eingewiesen, da wir zum ersten mal benutzen würden. Ein Swag ist im Prinzip ein zeltähnlicher Schlafsack mit Matraze in den man seinen Schlafsack, und darin dann sich selbst steckt. Einfach, oder? Da ich das eher geholte Feuerholz vom Trailer holen musste um Feuer zu machen, hatte ich auch das Vergnügen sämtliche Swags vom Trailer zu werfen. An diesem Abend verbrannten wir übrigens ein gutes Stück australische Transportgeschichte. Unser Holz stammte nämlich von den Gleisen der alten Ghanlinie, die Adelaide mit Darwin verbindet und damals das artesische Becken nutzte um von Wasserloch zu Wasserloch zu kriechen. Inzwischen folgt sie dem Stuart Highway.

Da ich morgen früh mal wieder gegen dreiviertel sechs aufstehen muss und dieser Eintrag ohnehin schon wieder extrem lang ist mach ich hier Schluss und wünsche eine gute Nacht. Morgen gehts dann bis Sonntag in den noch tropischeren Norden zum Cape Tribulation.

Hier noch ein paar "on the road" Bilder von diesem Tag:

Donnerstag, 8. Mai 2008

Desert Patrol Tag 1

Also erstmal ein paar Rahmenfakten: Die Tour startete am 29.04. um 7 Uhr in Adelaide und sollte uns 21 Leute (viele Deutsche, einige Holländer, eine Brise Franzosen und 1 Engländer) in 7 Tagen und 6 Nächten nach Alice Springs führen. Der Veranstalter war Groovy Grape Getaways und unser Guide war Kev (Kevin).

Als allererstes musste Kev erstmal über meinen enormen Haufen Gepäck lachen, der beim Einladen auch etwas schwierig war, da ich der letzte zum Abholen und der Gepäckanhänger entsprechend voll war. Da ich der letzte war, war auch nur noch ein Platz frei. Direkt hinter dem Beifahrer mit guter Aussicht. Hurra! Ach ne, doch nicht ... (ja, ich weiß dass das ne SVZ Gruppe ist) SO EINE SCHEIßE, DRECKSVERDAMMTE!!! Sorry dafür. Mir wurde nämlich sehr schnell klar warum der noch frei war. Schonmal versucht 3 Stunden mit dem Knien im Gesicht die Aussicht zu genießen? Nein? Siehste mal ...

Danach ging es nach einem kurzen Tankstellen/Caféstop direkt nach Norden. Unser erster kurzer Stop war das überaus ermutigende und lebendige Snowtown (wo es noch nie geschneit hat). Ich fand es so erfrischend weil es aus nur einer Straße bestand und die ersten gehörten Worte ein gelalltes "Welcome to hell, I'm the devil" von einem vorbeiwankenden Suffkopp waren. Kurz darauf erfuhren wir dann das Snowtown eigentlich nichts zu bieten hat (oh, wirklich?) außer dass vor ein paar Jahren ein paar Serienkiller in Adelaide den alten Safe der geschlossenen Bank in Snowtown benutzt haben um ihre Leichen zu deponieren. Reizender Ort ...

In Port Germein haben wir dann unsere Swags (Erklärung dazu folgt später) abgeholt und uns den längsten Bootsanlegersteg der Welt angeschaut. Keine Ahnung wie lang der ist. Ziemlich lang halt. Von dort aus verließen wir erstmal den Stuart Highway (der direkt nach Alice Spring führt) um in die Flinders Ranges zu fahren. Am Fuße dieser Gebirgs/Hügelkette blieben wir aufm Weg zum Aussichtspunkt erstmal stecken weil der Bus die Steigung mit uns inklusive Gepäck partout nicht bewältigen wollte. Irgendwie fühlte ich mich mit all meinem Gepäck ein wenig schuldig, aber gesagt hab ich das glaube keinem ...

In Quorn haben wir dann unser Mittagessen (getoastete Sandwiches) zu uns genommen und dabei unsere Gesellschaftsform für den Rest des Trips eingeführt. Die Frauen am Herd, die Männer am Teller ... Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie bekommt man den Eindruck dass simplere Lebensumstände unser soziales Erbe mit eiserner Faust in den Boden rammen um aus dem Dreck des Outbacks einen steinernen Tempel des Patriarchats zu formen. Ich kann die weiblichen Leser in gewisser Hinsicht beruhigen, denn auch die Männer sollten noch am gleichen Abend eine Tätigkeit jenseits des Tellerrandes finden.

Dieses Örtchen Quorn war auch von daher bemerkenswert, als das es trotz einer wohl ziemlich kleinen Bevölkerung eine indirekt proportional große (architektonisch) Niederlassung der Freimaurer (direkt gegenüber vom Picknickplatz) beherbergte. Irgendwie war es schwierig dem Gedanken zu widerstehen dass besagte Freimaurer von diesem Nestchen aus insgeheim die Weltherrschaft übernommen haben und alle Einwohner entweder Freimaurer sind oder sich nach Einbruch der Dunkelheit in sabbernde, zombiehafte Diener des Bösen verwandeln, die man nur mit einer Abrissbirne(???) töten kann. Oder so ähnlich ...

Gott sei Dank sind wir alle bei gesundem Leibe und Verstande (naja, obwohl ...) entkommen um tiefer in die Flinders Ranges einzudringen. Durch ehemals florierende und nun ziemlich frustrierende Örtchen ging es weiter zu den Yourumbulla Caves, die für mich das erste sichtbare, nicht im Souvenirshop verkäufliche, Zeichen waren dass die Aboriginees tatsächlich eine Kultur jenseits von Alkohol- und Drogenkonsum in Stadtparks haben. Klingt übel, oder? Aber wer schonmal in Australien war wird mir bestätigen können, dass die "zivilisierten" Gebiete hier leider tatsächlich diesen Eindruck vermitteln. Diese Höhlen jedenfalls enthalten einige recht interessante Zeichnungen. Der genaue traditionelle Zweck dieser Höhlen ist unbekannt (sie werden nicht mehr benutzt), aber die ersten Zeichnungen werden auf etwa 20.000 vor Christi datiert. Da kannten die aber auch noch keinen Alkohol. Der weiße Mann ist ein Arschloch!

Irgendwann bogen wir dann ab um auf 30km Schotterstraße in manischem Tempo entlang der Parachilna Klamm zu fahren. Das manische Tempo war unserer leichten Verspätung (die zur Routine werden sollte) und dem frühen Sonnenuntergang zuzuschreiben. Ich fand die Fahrt jedenfalls toll, da ich Schotterstraßen fahren ohnehin klasse finde und auch ein wenig Adrenalin ins Spiel kam (da Kev das genauso sieht wie ich).
Unsere Unterkunft in Angorichina war übrigens ein ehemaliges "Ausmusterungskrankenhaus" für Atemwegserkrankte. Da das früher sehr oft Tuberkulose war und die noch öfter tödlich endete schliefen wir mehr oder weniger in einer ehemaligen Siech- und Sterbestation, die entsprechende Geisterstorys um sich ranken hat.
Trotz der Verspätung haben wir es relativ ruhig angehen lassen und uns erstmal mit Bier versorgt. In dieser Nacht wurde ich zum Feuerverantwortlichen ernannt, was ich auch den Rest der Zeit bleiben sollte. Über den Kurs des Trips hieß das Lagerfeuer vorbereiten, entfachen, erhalten und auf Nachtmodus (Glutbecken) "umschalten". Zusätzlich war ich auch für die Auswahl des während des Trips zu sammelnden Feuerholzes zuständig. Ich hab keine Ahnung wie das eigentlich zustande kam, aber vermutlich lag das zum Teil daran dass ich der erste Kerl hinter dem Fahrersitz war ... Naja, Spaß und viele Kratzer an Armen, Beinen und Händen hats gemacht. Da wir an diesem Abend ein Barbie (BBQ) als Abendbrot hatten, haben wir das Feuer kurzerhand Ken getauft und diesen Namen bis zum Ende beibehalten. Damit war ich also 5 Tage des Trips damit beschäftigt Ken anzumachen, ihn bei Flamme zu halten und am Ende bettfertig zu machen. Halleluja ...

Da der Eintrag jetzt schon so lang geworden ist, wird dieser Tag hier beendet

Update zwischendurch

G'day,
nen Weilchen isses her seit dem letzten Eintrag. Der war ja grad mal auf halbem Weg nach Alice Springs. Inzwischen bin ich nun (seit 3 Tagen) im tropischen Norden Australiens, genau genommen in Cairns. Von Alice selber hab ich allerdings so gut wie nichts gesehen außer das Hostel (Annie's Place), Bojangles Bar und den Flughafen da ich am Folgetag nach meiner Ankunft bereits weiter bin. In den nächsten Tagen wird nun Stück für Stück der Reisebericht für meine Outbacktour (Desert Patrol) mit Groovy Grape Getaways folgen.

Schonmal soviel im Vorraus: Es war lustig, es war interessant, es waren lange Stunden im Bus und endlose Fluten von Impressionen. Ich hab auf der Tour etwa 1800 Fotos gemacht von denen jetzt noch etwa knapp 1000 existieren. Ihr könnt euch also vorstellen, dass die Auswahl der Bilder nicht ganz einfach sein wird. Von daher bitte ich um ein wenig Geduld, da ich hier ja auch ein bissel was erleben will, nicht wahr!?


Donnerstag, 1. Mai 2008

Desert Patrol

Ich bin grad in Cooper Pedy in der Bibliothek, wo ich kostenlos online gehen kann. Hier wurden uebrigens grosse Teile von MadMax gedreht und so sieht es auch aus. Total strange und surreal irgendwie. Der Trip ist bisher echt der Hammer. Heut morgen bin ich zum Beispiel mit 3 anderen mit einer Cessna vom kleinsten Ort Australiens (William Creek, 6 EW) aus ueber gesperrtes Aboriginee-Land geflogen. Die Painted Hills. Wow, war das schoen! Und das nach dem Aufwachen am noch glimmenden Lagerfeuer waehrend grad die Sonne aufgeht. Da muss man dazu sagen, dass mein Kopf im Freien war und mein erster Anblick an diesem Morgen eine wunderschoene, rote Sonne war. Dann haben wir fruehen 4 erstmal mit nem dampfenden Kaffee ums Lagerfeuer gesessen und in die Sonne geschaut waehrend die anderen um uns herum noch schliefen. Echt schoen!

Aber ordentlich dreckig wird man hier! Wurde uebrigens zum Firemaster ernannt, was heisst das ich fuer das Lagerfeuer jeden Abend zustaendig bin.

Generell werd ich von diesem Trip glaub ich einige Hammerbilder mitbringen! Sind schon seit vorgestern abend im Outback und fahren immer tiefer rein. Die Weite, Einsamkeit und Schoenheit dieser Landschaft ist einfach unglaublich!!!
Haben auch ne Menge Tierkontakte unterwegs: Kaenguruhs, Emus, Dingos (die sehr sehr selten zu sehen sind, und unserer ist direkt neben dem Bus langspaziert) ...

Ich werd das alles spaeter nochmal beschreiben wenn ich wieder Zeit hab.Die naechste Kontaktmoeglichkeit besteht dann erst in Alice Springs, Dienstag Mittag. Handyempfang hab ich ueberhaupt keinen, was aber auch mal schoen ist. Die naechste Station morgen ist dann Uluru (Ayers Rock) und eine Aboriginal Community auf dem Weg dahin.

Ich muss jetzt gleich wieder los, da wir uns bald zum Abendbrot treffen.

Also viele Gruesse aus der Wueste an die Heimat,
Pale